Tennisclub Waldstetten
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Jubiläumsinterview                                       

Herr Waibel Sie sind nicht irgendein Mitglied im Tennisclub, Sie sind Gründungsmitglied und haben die Gründungsversammlung 1976 geleitet. Waren Sie erstaunt, dass sich so viele Personen eingefunden hatten, um einen Tennisclub in Waldstetten zu gründen?

Wir waren nicht nur erstaunt, wir waren perplex. Vor allem auch, weil sich fast alle Besucher gleich verbindlich angemeldet  haben. Da haben wir sofort unsere Pläne geändert und beschlossen, anstatt den vorgesehenen drei Spielfeldern gleich fünf Plätze zu bauen.

Können sie sich noch erinnern, wer 1976 erfolgreichster Tennisspieler beziehungsweise –spielerin  in Deutschland war?

Bei den Frauen war es damals absolut Helga Masthoff. Bei den  Männern gab es keine so bekannten Spieler. Die hervorragenden Tennisspieler aus den 60er Jahren wie Jürgen Faßbender, Wilhelm Bungert oder Ingo Buding hatten damals keine vergleichbaren Nachfolger.

Schon 1979 beschloss die Mitgliederversammlung zwei weitere Plätze zu bauen. Wie kam es dazu?

Wir hatten 1979 schon rund 370 Mitglieder. Nach allgemeinen Erfahrungswerten sollte man für einen geordneten und akzeptablen Spielbetrieb  aber mindestens sieben Plätze haben.

Wir mussten daher unbedingt weitere Spielfelder bauen.

2014 konnte niemand für 25 Jahre Mitgliedschaft im Tennisclub ausgezeichnet werden. Warum?

Das war eine Spätfolge der ab 1978 wirksamen Aufnahmesperre.

Wo waren Sie am 7. Juli 1985 um 17:26 Uhr?

Eigentlich wollte ich an diesem Sonntag in Wimbledon sein und Boris Becker zu seinem grandiosen Sieg gratulieren. Da aber am gleichen Wochenende der TC sein Gartenfest abhielt, ging ich lieber auf das Gartenfest – und da muss ich dann wohl um 17.26 Uhr gewesen sein.

Was hat sich im Tennissport Ihrer Meinung nach in  den letzten 40 Jahren positiv verändert?

Das Tennis befreite sich von dem Geruch des Elitären und wurde eine Sportart für die Allgemeinheit. Zugleich akzeptierte der „weiße Sport“ eine  kunterbunte Bekleidung –

ohne Zweifel initiiert durch den Schlabberlook von Andre Agassi. Der Tennissport selber

wurde athletischer und druckvoller und  High-Tech-Produkte ersetzten so langsam die Holzschläger mit den feuchtigkeitsempfindlichen Darmsaiten.

Was hat sich im Tennissport Ihrer Meinung nach in  den letzten 40 Jahren negativ verändert?

Durch die Vielzahl der angebotenen Sportarten und auch durch die Fitnessstudios hat die Akzeptanz sehr nachgelassen. Die Vereine müssen generell mit einem gewissen Mitgliederschwund fertig werden. Auch das Interesse an der Mithilfe im Verein  beim Arbeitsdienst oder bei der Vereinsleitung lässt nach.

Sie gehören nicht nur 40 Jahre dem Tennisclub Waldstetten an; sie waren auch 30 Jahre Schriftführer und konnten fünf Vorsitzende kennen lernen. Sie können sicher nette Anekdoten erzählen. Fällt Ihnen spontan etwas ein?

Die fünf Vorsitzenden haben eigentlich sehr unterschiedlich agiert. Aber alle haben ihre Aufgaben hervorragend erfüllt und den Verein erhalten und weiterentwickelt.

Eine Eigenart von Siegfried Brodbeck, mit dem ich eigentlich hervorragend

zusammengearbeitet habe, ist mir in Erinnerung geblieben. Er flippte beim Tennisspielen immer wieder mal aus. Sein Mitspieler musste nur mehrmals dem Grundlinienspieler Siegfried Stopp-Bälle servieren, dann wurde er wild. Er setzte dann eine Auszeit am Netz an und erklärte dem Mitspieler – manchmal spielte der sogar besser Tennis als er – wie das Tennisspiel zu erfolgen hat. Weil aber Siegfried sehr angesehen und beliebt war, wurde das

meist lächelnd akzeptiert. Und im Übrigen ist ja die Spielweise mit Stoppbällen auch nicht die Art des feinen Mannes….

Schöne Sprüche gab es auch immer wieder von unserem so notwendigen gewesenen Sportwart Alfred Kramer. Als ihn einmal eine Dame fragte, ob er mit ihr Tennis spielen würde, schaute er sie lange an und sagte dann: Nein, da gehe ich lieber heim und schaue im Fernsehen „Ehen vor Gericht“ an.

Warum waren Sie nie selbst Vorsitzender? Ich bin mir sicher, Sie sind nicht nur einmal für das Amt vorgeschlagen worden.

Zu der Zeit war ich ehrenamtlich sehr engagiert. Stellvertretender Vorsitzender des Regionalverbands und Fraktionsführer im Kreistag und dem Gemeinderat und daneben noch

Geschäftsführer des TSGV Waldstetten – da hatte ich beim besten Willen keine Zeit mehr,

als Vorsitzender beim TC zu agieren. Und wie die  Entwicklung gezeigt hat, war dies ja auch gar nicht erforderlich.

Was wünschen Sie dem Tennissport für die Zukunft?

Angelique Kerber soll noch lange ihre Spitzenstellung im Tennis halten können. Vielleicht gibt das dann der Breitenarbeit im Tennis einen solchen Auftrieb, dass wir weitere Spitzenspieler bekommen – vor allem auch im Männerbereich, der ja bei weitem nicht so gut dasteht wie unsere Tennisdamen.

Was wünschen Sie dem TCW für die Zukunft?

Weiterhin eine komplette und gute Führungsmannschaft, wirksame Ideen, wie man den Mitgliederstand halten oder sogar verbessern kann und den verdienten sportlichen Erfolg

für unsere zurzeit im Spielbetrieb eingesetzten zehn Mannschaften.

Herzlichen Dank für das Interview